Kommunalwahl Potsdam – Aufstehen-Potsdam fragt die Parteien zum Thema Garnisonkirche – die Parteien antworten

Der Bau des Turms der Garnisonkirche hat begonnen, obgleich seine vollständige Finanzierung aus privaten Spenden gegenwärtig keineswegs als gesichert gilt. Andererseits fasste die Potsdamer Stadtverordnetenversammlung in der Vergangenheit mehre Beschlüsse, die eine finanzielle Beteiligung der Landeshauptstadt am Bau der Kirche ausschließen. Gleichzeitig wachsen mit dem Fortgang des Baugeschehens Befürchtungen über eine Wiederbelebung des preußischen militaristischen Geistes.

Wären Sie im Falle einer Finanzlücke bei der Fertigstellung des Turms bereit, Mittel aus dem städtischen Haushalt zu bewilligen, um den Bau zu Ende zu führen?

Was wollen Sie tun, um zu verhindern, dass rechtsnationale, antidemokratische Organisationen oder Einzelpersonen die Kirche als Wallfahrtsort missbrauchen?

DIE LINKE antwortet

Wir setzten uns auch weiterhin dafür ein, dass keine städtischen Mittel in den Wiederaufbau der Garnisonkirche fließen. Gemeinsam mit Akteuren der Zivilgesellschaft und dem Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“ werden wir dafür sorgen, dass Potsdam und auch der Ort der Garnisonkirche ein tolerantes, buntes, weltoffenes, demokratisches und solidarisches Fleckchen Erde bleibt, auf dem Militarismus und Faschismus keinen Platz finden.

DIE aNDERE antwortet

Mit unserer Zustimmung wird es keinen Cent für dieses Vorhaben geben. Unsere Wählergruppe wendet sich noch immer gegen den Aufbau der Garnisonkirchenkopie. Wir erwarten vom Oberbürgermeister, das erfolgreiche Bürgerbegehren umzusetzen und alles rechtlich Mögliche zu unternehmen, um auf die Auflösung der Garnisonkirchenstiftung hinzuwirken. Der Aufbau kann zu jeder Zeit gestoppt und das dann Gebaute einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden – z.B. als Museum für die Militär- und NS-Geschichte Potsdams.

Die AfD antwortet

Die AfD Potsdam bekennt sich zum kulturellen Erbe Preußens in Potsdam. Hierzu zählt auch die 1732 geweihte Hof- und Garnisonkirche. Wir fordern die originalgetreue Rekonstruktion des Turms und des Kirchenschiffs. Für den Wiederaufbau ist endlich ein klares Bekenntnis des Oberbürgermeisters nötig und von diesem ein „Ruf aus Potsdam“, um wie zum Bau der Frauenkirche in Dresden möglichst viele Spenden einzuwerben. Die bisherige Untätigkeit lässt Finanzierungslücken wahrscheinlich machen. Sofern temporär doch Finanzierungslücken entstehen und alle Finanzierungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, sollte eine Überbrückung per Krediten in Erwägung gezogen werden. Allerdings ist der Wiederaufbau dieses nationalen Kulturerbes eine nationale Aufgabe. Es sollten daher Bundesmittel eingeworben werden. Wie jede andere Kirche wird auch die Hof- und Garnisonkirche offen für alle Bürger und Besucher sein. Eine Eingrenzung und Kontrolle der Besucher oder Kirchgänger nach politisch opportunen Kriterien ist weder wünschenswert noch möglich.

DIE SPD antwortet

Erste Frage : Wären Sie im Falle einer Finanzlücke bei der Fertigstellung des Turms bereit, Mittel aus dem städtischen Haushalt zu bewilligen, um den Bau zu Ende zu führen?  
Zweite Frage : Was wollen Sie tun, um zu verhindern,
dass rechtsnationale, antidemokratische Organisationen oder
Einzelpersonen die Kirche als Wallfahrtsort missbrauchen? 

Zur ersten Frage: Nein
Zur zweiten Frage: Sich weiterhin engagiert für eine kritische Erinnerungskultur engagieren und als Stadt aktiv dafür im Stiftungsrat mitarbeiten.

DIE CDU antwortet

Erste Frage : Wären Sie im Falle einer Finanzlücke bei der Fertigstellung des Turms bereit, Mittel aus dem städtischen Haushalt zu bewilligen, um den Bau zu Ende zu führen?  

Nun, diese Frage stellt sich momentan nicht. Entsprechend könnte man nur eine hypothetische Antwort geben, die hier nichts zu suchen hat. Nur so viel: In Potsdam laufen viele unterschiedliche Traditionen zusammen, das macht den Reiz und den Flair der Stadt aus. Insofern denken wir, ist es auch Aufgabe der zukünftigen Stadtverordneten auf alle diese Traditionen zu achten.

Zweite Frage : Was wollen Sie tun, um zu verhindern, dass rechtsnationale, antidemokratische Organisationen oder Einzelpersonen die Kirche als Wallfahrtsort missbrauchen?  

Hierbei gibt es auch Traditionen, die uns eine politische Verantwortung auferlegen, die wir auch wahrnehmen sollten. Wegducken, weil vielleicht eine unangenehme Diskussion ins Haus steht, ist hier keine Lösung – zumindest nicht für Demokraten. Oberbedenkentum ist in der derzeitigen politischen Situation ebenfalls nicht zielführend. Gehen wir doch mit allen Phasen der Geschichte in Potsdam offen, tolerant und geschichtsbewußt um, schauen wir, was wir aus diesen unterschiedlichen Phasen für uns heute lernen können. Unsre Demokratie ist gefestigt genug, daß sie auch mit eventuellen politischen „Wallfahrtsfahrern“ umgehen kann. Unser System ist so stark, daß es auch eine völlig absurde Enteignungsdiskussion, die viele an die DDR Zeit erinnert, aus hält. Die Potsdamerinnen und Potsdamer wissen, wie sie mit solchen Menschen umgehen werden.


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